Samstag, 3. Oktober 2009

Day 8 – Lazy Thursday

Nach unserer Rückkehr von den Keys haben wir uns einen ruhigen Tag am Pool verdient.

Mel ist mittlerweile bei dem zweiten Buch von Nancy Farmer / Elfenfluch und ich habe mir amerikanische Krimikost vorgenommen mit Voodoo von Nick Stone. Der Anfang spielt in Miami und es ist immer wieder schön, Plätze oder Gegenden in einem Buch wieder zu finden, an denen man schon war, oder die man schon durchfahren hat.

Irgendwann nachmittags überkommt uns dann aber doch der Shoppingwahn und wir düsen los. Zuerst zum BigKmart, weil die großen Größen dort einfach zu günstig sind und ich auf dem Wege endlich auch mal wieder neue Shorts bekomme. Und der zweite Weg führt uns dann ins altbekannte Miromar-Outlet, dass eigentlich auch jedes Mal auf unserem Plan steht. Alleine schon, weil dort die Chance auf meine Waldbrandaustreter im Nike-Factory-Store recht groß ist. Der Parkplatz ist nicht so gut gefüllt wie sonst, irgendwo hinterlässt ja auch die Finanz-Krise ihre Spuren. Aber dafür können wir hinter dem Eingangstor unsere Englisch-Kenntnisse abgeben, hier wird ja nur noch deutsch gesprochen. Zwar noch nicht beim Personal der Läden, aber wenn man sich mal unauffällig beim Starbucks hinsetzt und sich den Deutschen nicht anmerken lässt (fällt mir bei meinem Defensive-Tackles-Aussehen nicht schwer...), dann staunt man echt, dass zu vier Fünftel (gefühlt) hier nur Deutsche unterwegs sind.

Im Levis-Laden hat Mel sich einige 501´s zum Anprobieren in die Kabine mitgenommen und ich unterhalte mich währenddessen mit dem netten, jungen Mädel aus dem Laden, als vier ältere Herren hineinstürmen und sich für Jeans interessieren. Die Herren unterhalten sich angeregt in Deutsch und als das Mädel ihnen die gesuchten Jeans anbietet und sich mir wieder zuwendet, horche ich mal bei ihr, wie sie im Allgemeinen so über die Deutschen denkt. Sie sagt offen und ehrlich, dass es ohne die vielen Deutschen im Miromar sehr viel schlechter aussehen würde. Ich erzähle ihr dann, warum das Shoppen wegen des Wechselkurses für uns so interessant ist. Sie hat das überhaupt nicht auf dem Plan, für sie ist der Dollar ihr ein und alles und dass wir durch den schwachen Dollar so gute Preise hier erzielen, ist ihr überhaupt nicht bewusst gewesen. Ja klar, sie erhält jeden Monat ihr Gehalt in Dollar und das bleibt gleich, aber das wir für unseren Euro jetzt viel mehr Dollar erhalten, wird ihr dann so langsam bewusst.

Wir beenden den Einkauf mit zwei 501-Jeans für Mel und keinen Nike-Schuhen für Mikel. Aber das Gesicht der Nike-Verkäufer bei der Frage nach meiner Schuhgröße ist immer wieder das Fragen wert … !

Zuhause gibt es noch den BigDog-Burger of the Day und der Pegel des Southern in der 1,75 ltr-Flasche senkt sich immer weiter Richtung Flaschenboden. Da verdampft aber auch immer eine Menge jeden Tag durch die Hitze …!

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Day 7 – Going back to Cape Coral

Ein regnerischer Morgen erwartet uns. Wir können den Beach von unserer Porch im Hotel auf Marathon aus nicht sehen und es rauscht nur so runter. Egal, der heutige Tag ist ja mal wieder als Reisetag ausgelegt, da stört uns der Regen nur wenig.

Schnell sind wir ausgecheckt und sitzen wieder im Auto. Erster Haltepunkt: die örtliche Post. Nach unserem Scheitern in Ochopee wollen wir wenigstens hier die Postkarten für die Heimat loswerden. Der ältere Herr hinter dem Tresen versucht verzweifelt, seine minimal vorhandenen Deutsch-Kenntnisse an den Mann zu bringen, aber sein Bemühen ist tapfer. Ich lobe ihn natürlich für sein „Of Wüdderschen!“ und bin mir erst im Rausgehen fast sicher, dass er sich nur von mir verabschieden wollte!

Nebenan ist ein BigKmart, das war in Kalifornien 1995 immer eine gute Adresse, um Klamotten in meiner Größe zu organisieren. Wir erhalten zwar heute in Cape Coral unser BigDogs-Paket, aber da uns seit diesem Jahr die Möglichkeit fehlt, bei BigDogs im Outlet einzukaufen (alle geschlossen …), muss ich mich ja bei meinem Format nach neuen Quellen umschauen. BigKmart ist besonders gut zu uns, wir finden 4 Kurzarm-Hemden in 4XL für vermeintliche 9.95 pro Stück, bis wir an der Kasse die Rabatte abgezogen bekommen und es kommen genau 11,96 plus Tax, also irgendwas um die 12 Dollar und ein paar Cent dabei herum. Genial, für ganze 8,50 Euro vier Hemden, aus denen man sich zusammengenäht ein Zelt bauen könnte. So günstig habe ich schon lange nicht mehr eingekauft …!

Die Laune steigt weiter, als wir bei Subway wieder das Sub des Tages als Breakfast einpacken und weiter Richtung Key Largo düsen. Das Wetter bessert sich Zug um Zug und so lassen wir die Middle Keys hinter uns, auf der linken Seite sehen wir noch einmal Robbies of Islamorada, wo man die riesigen Tarpons füttern kann. Vorgestern haben wir hier auch kurz gehalten um uns das Spektakel anzuschauen, es stehen immer einige Leute auf dem Anlegesteg und schauen sich die silberglänzenden Tarpons im Wasser an. Für knappe 3 Dollar bekommt man sogar einen kleinen Eimer mit Fischfutter, das man an die wirbelnde Fischmeute verfüttern kann. Der Stopp lohnt sich.

Ein weiterer Stopp erfolgt dann auf Islamorada an einem der markantesten Punkte. Auf der Hinfahrt hatten wir auf der Golfseite eine riesige Krabben-Skulptur gesehen und wollten sie diesmal fotografieren. Das war schnell erledigt, also noch ein kurzer Blick in den dazugehörigen Ladenkomplex, The Rain Barrel und die totale Überraschung: hier haben sich etliche Künstler Ateliers in den Wald hineingebaut und über den vorderen Shop kommt man in eine kleine eigene Welt von Skulpturen, Bildern und Künstlern. Wir waren positiv überrascht, welche schönen Kunstgegenstände hier produziert werden und haben uns selbst einen kleinen Gekko aus Ton mitgenommen, den man über den Rand eines Blumentopfs hängen kann.

Auch Key Largo lassen wir dann schnell hinter uns und ein kurzer Stopp auf dem Festland in Florida City bei den Prime Outlets. Auch hier fällt wieder auf, wie viele Läden leer stehen und wie wenig Leute dort zum Shoppen unterwegs sind. Der Nike-Shop hat mal wieder nicht meine Schuhgröße (amerikanisch 17, europäisch 51,5) so dass wir unverrichteter Dinge wieder auf den Tamiami-Trail einbiegen. Schneller wäre zwar die Alligator-Alley etwas weiter nördlich, aber die bietet überhaupt keinen landschaftlichen Reiz. Es dauert auch keine 20 Minuten, bis Melanie den ersten Alligator im sumpfigen Graben auf der rechten Seite vermeldet. Viele Kormorane trocknen auf den Bäumen sitzend ihr Gefieder von den Tauchgängen und überall lauern Fischreiher im Wasser auf Beute.

Ein weiterer kurzer Stopp in Everglades City, weil uns die Kekse und das Wasser ausgegangen sind und die Feststellung, dass wir selten einen derart leeren und tristen Food-Store gesehen haben, wie hier in Everglades City.

Der Rest der Strecke bis Cape Coral vergeht wie im Flug und als wir in die Einfahrt zum Haus einbiegen, steht schon das Paket von BigDogs auf der Porch. Das beweist wieder, wie wenig Kriminalität in dieser Ecke herrscht, sonst hätte der Fahrer das Paket mit Sicherheit nicht dort abgestellt.
Vor der Bescherung, (schon wieder?) Finger waschen und schon ist das Riesenpaket ausgepackt. Bis auf eine falsche Größe (statt 5XL für mich, gibt es halt ein S für Melanie) ist alles perfekt und ich bin mal wieder um 6 BigDog-Shirts reicher. Etwas Ärger über die Tatsache, dass sie das Free-Gift vergessen haben, aber wozu müssen sie noch was nachliefern, da kann man ja auch noch mal reklamieren.

Der Rest des Abends wird mit Southern Comfort und Ginger Ale im Pool verbracht und ich tue Buccs nicht den Gefallen, von einer ruhigen Nacht zu schreiben …!

Day 6 – Key West und andere schöne Flecken

Die Nacht im Tranquility Bay war herrlich ruhig, morgens erwartet uns schon der sonnige Blick auf den Golf von Mexico.

Kurz ein Stück zurück auf dem Highway 1 bis zum Subway, den wir am Tag davor bereits für das Frühstück auserkoren hatten, ein "Club Sandwich footlong" zusammengestellt und wieder ins Auto, weil wir das natürlich nicht in der Enge des Subway verspeisen wollen, sondern irgendwo am Strand.

Ein paar Minuten weiter überqueren wir dann die New-Seven-Mile-Bridge und geniessen den herrlichen Ausblick über die Weite des Atlantiks zur Linken und den Golf von Mexico zur Rechten.
Auf Little Duck Key sehen wir von der Brücke aus einen kleinen Strand mit Tiki-Huts, der erscheint uns als ideal für unseren Breakfast-Stopp. Kurz mit den Füssen ins warme Wasser, eine Familie spielt rechts von uns im Meer und ein junges Pärchen schießt Fotos vom Strand mit Palmen. Kann das Leben schöner sein ?
Wir bleiben ein halbes Stündchen und stärken uns mit dem Sandwich.

Weiter geht es in Richtung Key West. Bahia Honda State Park lassen wir links liegen, den kennen wir von unserem letzten Besuch hier, diesmal ist allerdings der Strand menschenleer. Die alte Brücke mit dem unterbrochenen Teil grüßt auch wieder herüber. Wir fanden 2004 allerdings den naturbelassenen Teil des State Parks auf der östlichen Parkseite weitaus schöner, als den zivilisierten Teil.

Je weiter wir in Richtung Key West vordringen, um so relaxter wird die Stimmung, nicht nur unsere, sondern auch die Umgebung wirkt immer ruhiger und entspannter. Spätestens in Key West hat das allerdings ein Ende, denn hier herrscht die übliche Hektik. Wir hatten uns für 12.00 Uhr mittags eine Glasbottom-Boat-Tour ausgesucht und parken in der Nähe der angegebenen Adresse, an der Margret Street. Schnell noch Quarters in die Parkuhr und zum Anleger. Kein Glassbottom-Boat weit und breit. Eine nette ältere Lady an einem der Counter klärt uns auf, dass das Boot direkt an der Duval Street startet. Na super, es ist 11.50 Uhr und wir sollen sprinten, um das Boot noch zu erreichen. Sloppy Joes lassen wir schnell links liegen, ein junger Gitarrist spielt old-fashioned Country Songs und die Bar ist schon jetzt gut gefüllt. Was Hemingways Name nicht alles ausmacht …!

Wir erreichen den Steg noch auf den letzten Drücker, zahlen unsere knapp 80 Dollar und erstürmen das Schiff. Es sind kaum Leute auf dem Boot, es ist halt Nebensaison und bei solchen Akitonen kommt einem das zu Gute.

Die „Pride of Key West“ legt auch direkt ab und fährt neben den zwei riesigen Kreuzfahrtschiffen der Carnival Lines am Mallory Square in Richtung Riff. Eine halbe Stunde dauert die Fahrt dorthin mit diesem Katamaran. Wir werden schon vorab von dem netten jungen Mann, der die Erklärungen macht, darauf aufmerksam gemacht, dass wir heute wegen des ruhigen Meeres eine besonders gute Sicht haben und ein paar Minuten später sehen wir, dass er recht hat. Als das Boot über dem Riff halt macht, sammeln sich sofort etliche Fische unter dem dicken Glas, dass in den Boden des Schiffs eingelassen ist und schauen uns von unten her an. Wir sind begeistert von dem Blick aufs Riff und die tausende von Fischen, die sich dort versammeln. Yellow Snapper, Angelfishes und zu guter Letzt sogar noch ein grösserer Barracuda, eine wahre Pracht an verschiedenen Fischen breitet sich auf dem Korallenteppich zu unseren Füssen aus, nur getrennt durch die dicken Glasplatten.

Nach einer knappen Stunde über dem Riff dreht der Katamaran bei und wir schippern wieder in Richtung Key West. Auch wenn wir selber schon 2004 im John Pennekamp State Park zum Schnorcheln mit den Fischen im Wasser waren: Ein Erlebnis, dass man jedem nur empfehlen kann.

Zurück am Anleger an der Duval Street schlendern wir wieder in Richtung Auto, da die Parkzeit bald ablaufen wird und entscheiden uns, mit dem Auto ein kurzes Sightseeing über die Insel zu machen, am Mallory Square und am Hogs Breath Saloon vorbei über die Whitehead Street fahren wir in Richtung Southernmost Point. Westlich der Touristenattraktionen liegen die Slums von Key West und man fährt automatisch durch diese Elendsviertel hindurch. An allen Ecken und Ende spazieren die Hähne und Hühner über die Strassen. Das Ende dieser Strasse liegt am Southernmost Point, diesem Touristenmagneten. Stellt den Leuten einen Punkt hin und behauptet, es wäre der südlichste Punkt der Festland-USA, auch wenn direkt daneben das Southernmost Grand Hotel sich sichtbar weiter südlich befindet oder man am South Beach auf dem Strand sich auch weiter südlich befindet. Gebt den Touris was zu glauben …!

Wir begeben uns zurück in die Duval Street, parken direkt neben dem Hotel „La Concha“ in der Fleming Street. Dieses Hotel ist das höchste zivile Gebäude auf Key West und bietet den besten Blick auf den Sonnenuntergang. Man geht einfach in die Lobby, sucht sich den Fahrstuhl und drückt auf den Button „T“, wie Top. Oben angekommen, steht man auf der Dachterrasse des Hotels und hat einen wundervollen, unverbauten Überblick über Key West und die Inseln rundherum

Es ist nachmittags, also für uns heute uninteressant. Wir holen uns bei Starbucks (im gleichen Gebäude) noch einen leckeren Frappuccino und schlendern die Duval Street in Richtung Hafen. Die Stimmung ist herrlich, alle sind locker drauf und wir stoppen am Hard-Rock-Cafe, um unsere Merchandising-Sammlung um ein T-Shirt (für Mel) und eine Cap für mich zu erweitern.

Irgendwann geht es dann wieder zurück zum Auto und wir wollen langsam in Richtung Marathon rollen. Der Verkehr ist zu dieser Jahreszeit wirklich sehr ruhig und so cruisen wir bis Big Pine Key, wo wir uns für einen Abstecher Richtung Atlantik die Long Beach Road ausgesucht hatten. Auf Big Pine Key gibt es ein Reservat für eine spezielle Rehart (Key Deer) und Schilder mahnen auf dem Highway vor dem Überfahren der Rehe. Gesehen haben wir ein solches Deer bei all unseren Besuchen noch nie. Das soll sich heute ändern. Wir fahren den Long-Beach-Drive bis zum Ende, aber außer über die traumhaft schönen Häuser, die direkt am Strand liegen, gibt es keinen public access zum Beach. Wir drehen am Ende der Strasse mitten im Mangroven-Wald und fahren die gleiche Strecke zurück. Wir sind an einem flachen Bungalow, der recht offen liegt, schon fast vorbei, als wir aus dem Augenwinkel heraus eine Bewegung vor dem Haus wahrnehmen. Kein Hund, da sind wir beide sofort sicher. Ich bremse vorsichtig, weil wir schon an der Einfahrt vorbei sind, und setze leise und vorsichtig zurück. Zunächst entdecken wir nur eines der scheuen Tiere, aber auf den zweiten Blick grasen drei von den Key Deer in aller Seelenruhe vor dem Haus. Melanie schießt mit der Kamera etliche Bilder und wir können uns gar nicht satt sehen an dieser Wildlife-Scene … !

Als wir den Motor wieder starten, springt eines der Rehe dann auch geich wieder in Richtung Strand und wir lassen ihnen ihre Ruhe. Was für ein herrliches Erlebnis.

Schnell sind wir wieder in Richtung Hotel und wollen uns vor dem Dinner noch schnell anschauen, wo wir heute abend essen wollen. Wir haben uns das Keys Fisheries in der Nähe unseres gestrigen Restaurants ausgesucht, aber als wir dort hinkommen, stellen wir fest, dass man zwar total gut dort sitzen kann, mit Blick auf den Golf von Mexikco, aber leider nur im Freien. Da wir bei 35 Grad Aussentemperatur nur höchst ungern unser Dinner auf einer offenen Porch einnehmen wollen, entscheiden wir uns noch einmal für Annette´s Lobster and Steakhouse. Auch das war wieder die richtige Entscheidung, denn dort werden wir vor der Tür bereits freundlich wieder erkannt vom Chef des Hauses und er führt uns breit grinsend mit den Worten: „Der gleiche Tisch wie immer?“ an den Tisch von gestern abend. I like that kind of humor …!

Die Bedienung ist eine andere, aber nicht weniger freundliche als gestern Abend und diesmal schaffen wir neben dem normalen Dinner (Shrimps für Melanie und ein T-Bone-Steak für mich) auch noch ein Stück Key Lime Pie nach Annettes Recipe. Absout genial!

Bis zum Tranquility Bay sind es nur ein paar Meter und wir geniessen den ruhigen Rest des Abends.

Dienstag, 29. September 2009

Day 5 – Heading for the Keys

Der Pool muss heute leider einsam und alleine bleiben. Wir wollen mal wieder auf Tour gehen. Für die nächsten drei Tage sind wir auf den Keys. Heute geht es bis Marathon, dort haben wir für zwei Nächte das Tranquility Bay Beach Resort am Milemarker 48,5 gebucht. Damit ist der Reisestress nicht so groß, weil wir am ersten Tag nicht bis Key West durchfahren wollen, sondern mitten auf den Keys Quartier beziehen werden.

Der Toyota ist schnell gepackt und die I-75 ist frei, obwohl im Moment das Teilstück von Fort Myers bis Naples eine einzige 35 Meilen lange Baustelle ist. Kurz vor der Abfahrt zum Collier Boulevard schüttet es wie aus Eimern, die Sicht tendiert gegen Null. Wir biegen Richtung Marco Island ab, drehen aber 6 Meilen später, fast schon in Sichtweite unserer Freunde Wally und Torsten auf die US 41, den Tamiami-Trail Richtung Everglades ab. Die Strasse hat ihren Namen von den beiden Städten Tampa und Miami, die durch diesen 275 Meilen langen Highway miteinander verbunden sind. Es ist immer wieder faszinierend, wie gigantisch weit die Natur auf diesem Teilstück durch die Everglades ist. Links und rechts nur Sumpf und Mangroven, dann wieder Teilstücke mit einem Fluss aus Gras (einer der Namen für die Everglades).

Everglades City lassen wir rechts liegen, Airboat-Tours haben wir schon reichlich genossen und soooo schön ist Everglades City nun auch wieder nicht … ! Wir wollen zunächst bis zum kleinsten Postamt der USA in Ochopee, unsere Postkarten wollen ja auf den Weg gebracht werden und wenn nicht von da aus, von wo dann? Unterwegs mahnen immer wieder die Schilder mit dem Florida-Panther vor Begegnungen mit diesem einzigartigen Raubtier. Jede Bewegung im Unterholz wird bemerkt, auch wenn es nur ein Ibis oder ein Kormoran ist.

Und wo man am wenigsten damit rechnet, passiert es dann. Wir fahren in gemässigtem Tempo paralell zu einem Rastplatz mitten in der Weite. Der Blick richtet sich auf das Unterholz mit den Mangroven. Mit einem Mal sehen wir etwas Dunkles aus dem Schatten treten. Leise setzt er seine riesigen Pranken vor seinen geschmeidigen Körper, die Muskeln spielen in Höhe seiner Schulter ein faszinierendes Ballett und da hebt sich sein Blick direkt auf uns: Müde hebt ein großer Labrador sein Beinchen und pinkelt an den Mülleimer, Frauchen lächelt uns an und zerrt ihren Hund in Richtung Auto … ! Wieder kein Florida-Panther … !

Nach dieser Wildlife-Erfahrung sind es nur noch ein paar Meilen bis zum kleinsten Postamt, doch dort haben wir das übliche Glück: Pause zwischen 12 und 13 Uhr und es ist passenderweise 12.30 Uhr … ! Also Karten wieder eingepackt und weiter geht’s !


Als nächstes steht die Loop-Road auf unserem Plan, fast hätte ich die Abfahrt verpasst. Rechts eingebogen in die County Road 94, einmal tief Luft geholt, die ersten siebenundzwanzig Schlaglöcher mit Regenfüllung mitgenommen. Ein kurzer Blick zur Seite, der gleiche Blick kommt von der Seite zurück, ein leises Kopfschütteln, einmal gedreht, die gleichen 27 Schlaglöcher mit etwas weniger Regenfüllung wieder zurück und an der US 41 dann die Feststellung: Das müssen wir uns mit diesem Auto nicht antun. Da uns der passende Hummer H3 leider nicht an dieser Ecke erwartet, geht es auf der 41 weiter in Richtung Coopertown/West Miami.

Dort schwenken wir rechts auf den Highway 997, der uns weiter in Richtung Gate to the Keys bringt. Schon 2004 ist uns auf dieser Strasse aufgefallen, dass hier wohl die meisten Baumschulen (Nursery) Miamis versammelt sind. Etliche Meilen weit sehen wir nur junge Palmen und Pflanzungen links und rechts des Highways, später kommen Orchideen-Züchter und Obst-Plantagen hinzu. Die Auswahl und Preise der Orchideen entlocken uns ein leises Seufzen, weil wir wissen, dass wir sie nicht mitnehmen können. Bei den niedrigen Preisen käme auch wohl eher ein Container Pflanzen zusammen … !

Homestead (the most ugly town in Southeast Florida) ist schnell passiert und nach dem Wechsel auf die US 1, den Highway No.1 sind wir auch schon auf bald auf den Keys angekommen. Key Largo, World Capital of Diving ist der erste Anlaufpunkt auf den Keys und lockt mit seinen vielen Tauchmöglichkeiten. Einen der schönsten Nationalparks den John Pennekamp Coral Reef State Park lassen wir diesmal links liegen, dem haben wir bereits 2004 mit einem Besuch und Schnorcheln am Riff die Ehre erwiesen.

Die Zahl der Inseln auf den Keys kann nur geschätzt werden, jedenfalls sehen wir reichlich davon, denn je tiefer man in die Keys fahrt, umso easier wird das Living. Alles wirkt so freundlich und bunt und es fällt auf, dass die großen Fast-Food-Ketten und Lebensmittelmärkte hier auch offensichtlich keine Chance sehen, sich breit zu machen, zu groß ist die Zahl der kleinen Läden und Restaurants, die mit bunten Fassaden und Schildern die Kundschaft locken.

Da wir wissen, dass wir auf der Rückfahrt wieder hier lang kommen (es führt ja schließlich nur eine Strasse auf die Keys und wieder zurück …), sehen wir zu, dass wir bis zum Milemarker 48,5 kommen, wo uns das Hotel-Resort Tranquility Bay Beach Resort erwartet.
Dieses im Januar 2006 eröffnete Resort soll uns eine komfortable Basis für den weiteren Aufenthalt auf den Keys bieten.

Ich checke kurz bei der netten, jungen Lady mit dem deutschen Nachnamen ein, wir unterhalten uns über das fehlende Tempolimit in good old Germany (My friend is driving a Suzuki-bike, he would like to drive the German Autobahn without limit one day ! [Wenn die mal an einem Freitagnachmittag den Ruhrschleichweg mit ihrem Mopped fahren würde, würde sie das schnell relativieren]) und wir erhalten den Schlüssel zu einem Townhouse in der Nähe der Rezeption. Wunderschöne, geschmackvolle Einrichtung, aber leider nicht so ganz der Blick auf den Golf von Mexiko, wie wir ihn nach der Beschreibung erwartet hatten. Ich wundere mich gerade noch über eine Werkzeugkiste auf der Treppe und beim Gang durch das Obergeschoss stösst Melanie auf einen Handwerker, der munter auf dem Badewannenrand sitzt und dort die Fliesen an die Wand drückt …! Irgendwer hat wohl vergessen, Bescheid zu sagen, dass dieses Haus noch renoviert wird! Kein Problem, die nette Christina an der Rezeption bucht uns kurzerhand unter tausend Entschuldigungen in ein besseres Two-Bedroom-House um und siehe da, der Blick von der Veranda auf den Golf von Mexico hat sich schlagartig verändert, denn wir sind jetzt schon fast in der vordersten Reihe.

Wir schlendern natürlich sofort einmal runter zum Strand und geniessen für eine ganze Weile die Ruhe und die Sonne in zwei der bereitstehenden Liegestühle. Livin´ is so easy for a BigDog if you are overlooking the Gulf of Mexico … !

Für heute steht nur noch das Dinner auf dem Plan, wir lassen das erstklassige Hotelrestaurant links liegen (mein Hemd war noch nicht gebügelt und fahren eine halbe Meile zurück zu Annette´s Lobster and Steakhouse am Milemarker 48. Thats the right choice: Wir werden sehr freundlich von der Waitress begrüßt und an einen guten Platz geführt. Das Lokal ist im typisch amerikanischen, dunklen Westernstil ausgestattet. Melanie nimmt einen Red Snapper mit einer Mangosauce und einem hervorragenden Süsskartoffel-Kokosnuß-Püree und ich entscheide mich fleischmässig für ein „New York Strip, 12 oz. grilled to perfection, served with brandy peppercorn sauce“. Wir sind begeistert von der Schnelligkeit und der hervorragenden Qualität des Essens und erfahren zum Abschied noch, dass die Chefin Annette eine gebürtige Irin ist, die mit viel Liebe zum Essen in ihrer Restaurant-Küche kocht und backt. Auf ihr hochgelobtes Dessert mussten wir leider verzichten, weil wir uns schon so gesättigt gefühlt haben …!

Alles in allem ein runder Abend und wir schaffen mit den vollen Mägen gerade noch den Weg heim zum Hotel.

Montag, 28. September 2009

Day 4 – Muscle-Cars-Day

Auch heute ist es nicht so ganz einfach, nach dem Frühstück und ausgiebigem Pool-Genuss die Kurve zu kriegen. Es ist einfach zu schön, die Seele bei einem guten Buch einfach nur baumeln zu lassen … !

Irgendwann mittags schaffen wir es dann aber doch noch, unsere Hintern ins Auto zu bewegen, aber vorher wird noch vor der Garage ein feines Foto mit RAV4 gemacht, wir wollen ja für Arno eine Erinnerung festhalten!

Auf dem Weg zum Surfside Boulevard sehen wir vor einem Haus eine Gruppe Vögel, die sich bei näherem Hinsehen als ca. 30 - 40 Ibisse entpuppten. Ein großer Teil davon hatte weisses Gefieder, aber es waren auch etliche Jungtiere dabei, die mit ihrem braunen Federkleid echt lustig aussahen. Alle pickten im Hochwasser auf dem Rasen herum und holten sich reichlich Würmer und teilweise auch kleine Frösche mit ihrem langen, gebogenen Schnäbeln heraus. Ein herrlicher Anblick und die Gruppe war auch überhaupt nicht scheu, als wir anhielten und Fotos schossen.

Unser Weg führt uns entlang der Burnt Store Road in Richtung Punta Gorda, für amerikanische Verhältnisse eher ein Nachbarschaftsbesuch. Uns fällt auf, dass mittlerweile etliche Sale-Schilder für die Grundstücke im Norden Cape Corals und im Süden von Punta Gorda stehen, hier wollen wohl etliche Landbesitzer ihren Grund zu Geld machen.

Unser Ziel in Punta Gorda ist Muscle Car City, dass der Besitzer Rick Treworgy im März 2009 in einem ehemaligen Walmart direkt an der US 41 eröffnet hat. Dort finden sich über 200 Muscle Cars, Hot Rods und andere amerikanische Oldtimer bis zurück in die 20er-Jahre. Das Museum wird ergänzt durch einen Diner im 60er-Jahre-Stil und einen Shop, in dem man neben allen möglichen und unmöglichen Dingen rund ums Auto auch eine Riesenauswahl von Blechschildern findet.

Der Eintritt ist mit 10 Dollar pro Erwachsenem absolut in Ordnung, Kinder unter 12 Jahren bezahlen gar nichts (in Begleitung eines Erwachsenen).

Wer Spass an alten Autos und im Besonderen Pontiacs und Corvettes hat, findet hier eine reichhaltige Auswahl an sehr gepflegten Fahrzeugen. Die Autos sind thematisch sortiert und die Halle ist sehr übersichtlich. Mich hat nur eines gestört: 90 Prozent aller Autos standen mit aufgeklappter Motorhaube da. Für jemand, der sich für Motoren interessiert, mag das schön sein, aber um einen Oldtimer in seiner ganzen Pracht zu betrachten, gehört für mich das Gesamtbild des Autos dazu. Das leidet leider unter all den hochgestellten Hauben … !

Als Anhaltspunkt: Wir haben ca. eineinhalb Stunden für das Museum gebraucht und ich habe dabei reichlich Fotos geschossen.

Auf dem Rückweg haben wir uns dann noch bei Publix an der Pine Island Road/Burnt Store Road Steaks und große Kartoffeln mitgenommen und abends gab es Rib Eye Steaks und Baked Potatoes mit Sour Cream bis zum Abwinken. Die Ibisse waren übrigens auch noch am Picken ...

Die Wahlergebnisse mussten wir uns dann aus dem Netz ziehen, amerikanische News haben die deutsche Bundestagswahl nicht einmal hinter dem Wetter erwähnt. So sind sie halt … !

Sonntag, 27. September 2009

Day 3 – Ein Leben für den Pool …


… ist was Herrliches und somit verbringen wir den ganzen Samstag mit Lesen am Pool. Ich schaffe meinen Jeffrey Deaver / Todesstille und Mel bekommt Sue Townsends „Adrian Mole und die Achse des Bösen“ auch komplett durch.

Einzig die obligatorische Fahrt zum Walmart am Del Prado unterbricht den lazy Saturday und wir erbeuten uns Hamburger Patties, damit ich abends die „Famous BigDog-Burger“ zubereiten kann … !

Aktuelle Bücher: Melanie liest "Drachenmeer" von Nancy Farmer und ich bin bei Mark Haddon und „Supergute Tage oder die sonderbare Welt des Christopher Boone“ gelandet.

Gut, daß wir einen Koffer voll Bücher mitgenommen haben ... !

Ich bin dann mal wech ...

Day 2 - That's what friends are for

Nach einer traumhaft, ruhigen Nacht und einem hervorragenden Frühstück mit Bagels und frischem Rührei (natürlich @ home …) haben wir erst Mal den Pool ausgiebig genossen. Wir brauchen immer ein bis zwei Tage, bis wir innerlich so weit abgeschaltete haben, dass wir die Ruhe richtig geniessen können und dafür sind solche Tage ideal. Pool, Sonnenstuhl und kühle Drinks.
Mittags dann eine kurze Mail an unsere Freundin Wally, dass wir zwischen 14 und 15 Uhr zum Kaffeetrinken bei den Beiden in East Naples/Richtung Marco Island sind. Wir wollen in Ruhe über Fort Myers Beach und Bonita Springs fahren, das ist gemütlicher und mehr Sightseeing, als wenn wir über die I-75 Richtung Naples düsen, das ist ja langweilig.
Über die Cape Coral Bridge und den McGregor Blvd. wären wir recht schnell Richtung Süden, wenn ich mich nicht „zufällig“ verfahren hätte und „urplötzlich“ die Tanger Outlets auf der linken Seite aufgetaucht wären. Gut, ich gestehe: Ich wollte nur schauen, ob BigDogs wirklich den Shop dort aufgegeben hat; die Hoffnung stirbt zuletzt … !
In Ft. Myers Beach haben wir die Tradition, gleich rechts hinter der Brücke an diesem Andenkenshop „Winds“ zu halten, damit alle zu Hause ihre gewünschten Postkarten bekommen. Und wie auch in den letzten Jahren ist mein Parkplatz reserviert und wir erwischen zum vierten Mal in Folge diesen Parkplatz. Oma würde jetzt wieder sagen: „Der Jung ist halt mit `nem choldenen Helm cheboren …!“
Über den Estero Blvd. Geht es dann weiter Richtung Bonita Beach, die Fahrt ist immer ein „Nach-Hause-Kommen“. Vieles hat sich in den letzten Jahren geändert, aber die lustigen Mailboxes und die immer wiederkehrende Aussicht zwischen den Häusern auf den Golf von Mexico bleiben uns erhalten. Über den Big Carlos Pass hinüber auf Lovers Key, diesen wundervollen kleinen Nationalpark, wo man so herrlich den Strand entlang bummeln kann. (siehe auch Reiseblog 2008) bis nach Bonita Beach, wo die Strasse den scharfen Linksknick in Richtung Bonita Springs macht.
Als wir dann auf Naples zurollen, fällt uns wieder auf, wie weitläufig hier alles ist, es dauert ewig, bis die Hausnummern abnehmen und wir mitten in Naples der US-41 folgend Richtung Everglades abbiegen.
Zwanzig Minuten später sind wir dann an der Abbiegung rechts auf den Collier Blvd. Richtung Marco Island und wenige Meilen später sehen wir dann schon die Türme des „Hammock Bay Golf and Country Club“, wo unsere Freunde Wally und Torsten seit zwei Jahren wohnen. Der Mann am Gate ist diesmal auch etwas cleverer als der beim letzten Mal, der konnte nämlich nicht mal unseren Namen richtig schreiben. Dieser lässt sich lieber gleich eine „ID with Photo“ geben, damit ihm das bei dem deutschen Nachnamen erst gar nicht passiert. Wir sind auch bereits von Wally angemeldet worden, so dass wir innerhalb von Sekunden durch das Gate durch sind.

Wer noch einmal den Bericht über diese wundervolle Anlage lesen möchte, kann dies mit Bildern im Blog 2008 gerne nachholen.
Die Concierge empfängt uns mit einem freundlichen Lächeln und als wir vor dem Aufzug in den 8.Stock stehen, geht die Lifttür auf und Wally kommt uns entgegen. Sie ist völlig überrascht, dass wir schon da sind. Sie hatte den Anruf vom Gate noch nicht bekommen.
Minuten später sitzen wir an der Küchentheke, schlürfen unseren Cappuccino mit Blick auf die Everglades, Marco Island und den Golf von Mexico (von Osten nach Westen) und tauschen stundenlang die Neuigkeiten der letzten eineinhalb Jahre aus. Zwischendurch gibt es Wallys selbstgebackenen Pflaumenkuchen und zum Abendessen frisches, selbstgemachtes Brot und endlosen Klönschnack mit dem Nordlicht Torsten und der Pfälzerin Wally, die aber beide schon etliche Jahrzehnte in den Staaten wohnen.
Zum Abschied am späten Abend gibt es dann noch für uns die vorweihnachtliche Bescherung: Wir dürfen unsere von Deutschland aus bestellten Pakete, die wir den beiden an diese Adresse liefern lassen, unter Torstens gepfiffener „Stille Nacht“ unter den Arm klemmen und verlassen die beiden schweren Herzens, weil es immer wieder schön ist, mit den beiden einen Tag zu verbringen.
Rückweg über die I75 ist diesmal in 1:20 h geschafft und nach dem letzten nächtlichen Bad im Pool fallen wir todmüde in die weichen Betten.